Ausstattung der Kirche

Kath.Pfarrkirche St.Michael Bernkastel-Kues

Patrozinium: Erzengel Michael, ab 1324 auch der Gottesmutter geweiht. 1669 als 2.Patrozinium: Hl.Sebastian

Das Stadtbild Bernkastels wird bestimmt durch die dem hl.Michael geweihte Kirche mit dem schweren,trotzigen altersgrauen Bruchsteinturm am Gestade,der im 13.Jahrh. Im Zusammenhang mit der Stadtbefestigung im romanischen Geist errichtet wurde.Der Turm mißt 4,60 x 4,25m in der Lichte und hat eine Höhe von 56m.Die Mauerstärke beträgt 1,75m.Um 1486 erhielt der abgeplattete Turm einen schieferbedeckten achtseitigen Helm,den acht kleine,ebenfalls achseitige Türmchen umstehen.Seitdem beherbergt der Turm auch die Kirchenglocken.Älter als die Pfarrkirche ist die älteste Glocke,die Evangelienglocke aus der Zeit um 1300.Aus dem Jahr 1499 stammt die Anna- oder Brandglocke.Die Toten-oder Sebastianusglocke stammt aus dem Jahre 1748.Im Jahr 1968 wurden von der Pfarrei noch zwei weitere Bronzeglocken angeschafft;die Michaelsglocke und die Sakramentsglocke.Das Bernkasteler Glockengeläute gehört so mit zu den schönsten und wertvoll-sten Geläute im Bistum Trier.Im Erdgeschoss des Kirchturmes steht das Mahnmal für die Gefallene der Weltkriege.Der Raum war früher nur von aussen zugänglich und wurde erst 1924,als man die Krieger-Gedächtnis-Kapelle schuf mit einem Durchbruch mit dem Inneren der Kirche verbunden. Das Altarwerk der Kapelle, aus gelbraunen Tufstein gearbeitet, stammt von dem Bernkasteler Bildhauer Paul Simon der lange Jahre in Köln gearbeitet hat.

Kirchenschiff u.Chor:

Bis auf die westliche Verlängerung,die durch den kunstsinnigen Pfarrer Petrus Carove um 1730 eine neue Ausgestaltung und einen prächtigen Barockgiebel mit Sandsteingliederungen erhielt,wurde 1870 eine neogotische Fasade vorgesetzt.Erst 1968 ist die alte Barockfasade unter Dechant Jonas wieder hergestellt worden.Der Innenraum der Kirche ist eine einheitliche Bauschöpfung der Hochgotik,eine der wenigen die das Moseltal aufzuweisen hat.Das Wappenschild des Trierer Erzbischofs und Kurfürsten Kuno von Falkenstein (1361-1388) im südlichen Seitenschiff gibt die Entstehungszeit an. Das dreischiffige,ursprünglich fast quadratische Langhaus von 15,60 x 15,80m Fläche war zunächst zweijochig,vor 1645 verlängerte man das Mittelschiff um das neben dem Turm gelegene Joch nach Westen für die Orgelempore.Das schön gezeichnete Blattwerk der Konsolen und Kapitäle hat noch etwas von der Frische und Naturverbundenheit rheinischer Frühgotik.Die Kapitällosen Säulen,aus denen die Gewölberippen entwachsen,greifen der Spätgotik vor.So stellt sich der Kirchenbau,dessen äusserer Schmuck auf die schön gezeichnete Nordtür beschränkt ist,als ein Übergangswerk zweier Baurichtungen dar.

Ausstattung der Kirche:

Die schöne Raumbestimmung der Kirche ist nicht zuletzt auf ihre reiche Ausstattung zurückzuführen. Aus der Erbauungszeit stammen noch das Sakramentshäuschen im Chor und im südlichen Seitenschiff das Grabmal des Burggrafen Reiner von 1372.So gehört ein Vesperbild aus Ton,Anfang 15.Jahrh.eine Madonna mit faltenreichem Gewand zu den besten mittelrheinischen Werken dieser Technik.Ein anderes,größeres Vesperbild aus Holz in der Turmkapelle stammt aus dem Anfang des 16.Jahrh.Die großartige Kreuzigungsgruppe auf dem Hochaltar trägt die Jahreszahl 1496. An den gotischen Bau hat ein aus Bernkastel gebürtiger apostolischer Notar und Sekretär des Trierer Domkapitels,Johann Jakob Kneib,um 1660 eine achteckige Kapelle und die Pfarrei einige Jahre später eine Sakristei angefügt,beides Zentralräume im Geiste der Renaissance.Das Grabmal des Dechanten Friedrich Zorn von 1601 im Chorraum ist ein Werk des Trierer Bildhauers Heinrich Hoffmann. Dem Sohn des berühmten kurtrierischen Staatsbildhauers Hans Ruprecht Hoffmann. In der Kneipschen Kapelle befindet sich der sogenannte Pestaltar den die Witwe des Stadtschreibers Johann Meyer 1631 durch den Enkel des alten Meisters,wieder ein Hans-Ruprecht Hoffmann,aufstellen ließ. Der Altar erinnert an die Pest,die damals in Bernkastel wütete.In der Mitteltafel auf dem Altar sieht man als Hintergrund der betenden Familie ein Bild des alten Bernkasteler Marktplatzes.Der Hochaltar aus der Barockzeit wurde um 1865 nach Burg an der Mosel verkauft. Der Nikolausaltar von 1750 ersetzt einen älteren ebenfalls dem hl.Nikolaus geweihten Altar aus dem Jahre 1403.Jedes Jahr am 6.Dez.dem Namenstag des Heiligen stiftet die Bernkasteler Schifferzunft eine dicke Kerze für ihren Schutzpatron.Oben auf dem Altar steht der hl.Franziskus Xaverius,der Apostel der Inder,rechts und links daneben knien je ein Indianer und ein Neger.Diese Figuren kommen erst drei Jahre später nach der Errichtung des Altares hinzu,gestiftet von der Mutter des Jesuiten Franz Anton Meisterburg.Pater Meisterburg war 1750 als Missionar zur Amazonasmündung aufgebrochen.Im Zuge eines Religionskrieges wurde er mit anderen Jesuiten 1757 als Gefangener nach Portugal deportiert und 1762 in die schauerlichen Verließe der Festung San Julia an der Tejomündung eingekerkert.In dieser Zeit galt er für seine Familie als verschollen.Nach qualvollen Leidensjahren kehrte er erst 1777 in seine Heimatstadt zu seiner hochbetagten Mutter zurück und verbrachte seinen Lebensabend im Kapuzinerkloster.Der Marienaltar im nördlichen Seitenschiff stammt auch aus dem Jahre 1750.Er stellt eine künstlerisch,wertvolle Arbeit im Rokokostil aus Alabaster dar.In der mittigen Muschelnische steht Maria,gekleidet als vornehme elegante Frau in Moseltracht.Das Jesukind, neben ihr auf einem Podest stehend,ist realistisch als fröhlicher Knabe dargestellt.Zwischen den Doppelsäulen stehen kleine Figuren der hl.Katharina und der hl.Babara.Darüber in einer Muschelnische die hl.Margaretha.Vor dem Marienaltar befinden sich alte Freskenmalereien aus der Erbauungszeit der Kirche. Die Kanzel,die Bänke und das Orgelprospekt sind Werke der Barockzeit.Die Holzfiguren an den Wänden wurden von den Zünften der Stadt aufgestellt. Der wertvolle Kreuzweg unter der Empore von 1910 in neugotischer Umrahmung stammt von dem Maler Heinrich Lamers aus Kevelaer.Der Künstler hat auf den einzelnen Bildern Motive und Personen aus Bernkastel verewigt.In diesem zimmerartigen Raum steht auch das Taufbecken in hellrotem Marmor aus dem Jahre 1760.Die Pfarrkirche St.Michael hatte bereits 1673 eine Orgel,über die nur vermerkt ist,daß sie auf der Evangelienseite des Chores stand.Dieses Werk, eine Stummorgel wurde 1744 für 1000 Reichstaler nach Longkamp verkauft.1745 errichtet Johann Bernhard Nollet aus Belgisch-Luxemburg eine Orgel mit zwei Manualen.Das barocke Orgelprospekt stammt von dem Bernkasteler Holzschnitzer Johannes Günster.1955 erfuhr die Orgel eine gründliche Erneuerung und Renovierung durch die Firma Johannes Klais aus Bonn unter der Beratung von Prof.Hermann Schroeder aus Köln,ein gebürtiger Bernkasteler.Zur Zeit ist die Orgel nur noch bedingt bespielbar,da große Teile bei der letzten Kirchenrenovierung ausgebautwurden.Eine Renovierung ist dringend erforderlich.Im Besitz der Kirche befinden sich auch noch einige historische Paramente und Silbergeräte die heute noch im gottesdienstlichen Gebrauch sind. In den sechs Jahrhunderten von der Erbauung bis heute hat St.Michael auch alle schweren Stunden der Stadt miterlebt.Besonders zu erwähnen sind die schweren Hochwasser verschiedener Jahr- hunderte wobei die Kirche besonders in Mitleidenschaft gezogen wurde.Die Pfarrkirche St.Michael ist nicht nur Wahrzeichen,sondern auch in den Gottesdiensten die Herzkammer für die Stadt und ihre Bürger.