Advent

Seite an Seite.

Mitte November war ich zufällig in der Wittlicher Innenstadt, als sich in den ruhigen Betrieb plötzlich ein lauter Motorenlärm mischte. Es war nicht auszumachen, woher das Dröhnen kam. Aber eine Unruhe breitete sich aus, man spürte, dass sich etwas Außerordentliches anbahnte. Ein Traktor rollte an. Auf seinem Anhänger lag ein riesiger Tannenbaum. Passanten blieben stehen, und im weiten Rund des Marktplatzes bildete sich ein lockerer Kreis. Interessiert wurde beobachtet, wie die Arbeiter schnell und effizient die Tanne so manövrierten, dass sie passgenau über dem vorgesehenen Standort schwebte und dann in der Mitte des Markplatzes eingelassen wurde.

Die Ankunft der Tanne weckte eine besondere Atmosphäre. Ich hatte den Eindruck, dass außer ihr noch etwas anderes auf dem Marktplatz ankam, etwas, das die Menschen miteinander verband, vielleicht das Bewusstsein, Zeuge eines besonderen Augenblickes zu sein.

In wenigen Tagen feiern wir Weihnachten. Dann stehen wir wieder, real oder im übertragenen Sinne, Seite an Seite mit anderen Menschen um eine Mitte. Auch dann verbindet uns das Bewusstsein, Zeugen und Zeuginnen eines außerordentlichen Geschehens zu sein: Wir stehen um unser Zentrum, um unsere Mitte, um ein Kind. Dieses Kind, der Mensch gewordene Gott, lädt uns ein, in Verbindung zu treten mit ihm und untereinander. Es schafft eine Atmosphäre von Nähe, Geborgenheit und Vertrauen.

Gott wird Mensch und ist Mensch, in jedem von uns. Er will immer wieder neu bei uns ankommen und uns ermöglichen, menschlich zu sein.

Die Impulse zu den Adventswochen wollen helfen, froh und lebensbejahend Weihnachten entgegen zu gehen.

Anhalten

Dann und wann das Tempo verlangsamen,
anhalten,
in Ruhe wahrnehmen,
was um uns ist,
was uns schützt,
bedroht, erfreut,
fordert, fördert,
uns neu einstellen und ausrichten.

Dann und wann das Tempo verlangsamen,
anhalten,
sich hinsetzen und sich setzen lassen,
was sich in uns bewegt.
Wahrnehmen, was uns bewegt,
sehen, was und wie wir sind.

Dann und wann das Tempo verlangsamen,
anhalten,
ganz da sein und sich von Gott anschauen lassen,
ausruhen unter seinem zärtlichen Blick,
aufatmen in seiner liebenden Gegenwart
und sein lassen, was ist.

in Anlehnung an Max Feigenwinter